Als der Tod vom Himmel fällt

Britisches Flugzeug Avro Lancaster | Bundesarchiv Bild 141-2716
Britisches Flugzeug Avro Lancaster | Bundesarchiv Bild 141-2716

Es ist der 04.04.1943 um 20:52 Uhr, als sieben junge Männer des Geschwaders 460 der RAAF mit ihrem Flugzeug, einer Avro Lancaster I mit der Kennzeichnung W4310 im englischen Breighton starten, ohne zu ahnen, dass ihr Leben zweieinhalb Stunden später über Bordesholm enden wird.

Sie sind Teil einer Staffel von 577 Flugzeugen, von denen zumindest ein Teil bis nach Berlin fliegen soll. Zwischen 22:00 und 23:00 Uhr erreichen sie über die nordfriesischen Inseln das norddeutsche Festland. Sie nähern sich auf einer Flughöhe von 5000 Metern mit einer Geschwindigkeit 400 km/h der Landeshauptstadt Kiel. Die Wolken hängen tief und so sind die Ziele zum Teil nur schwer zu erkennen. In Kiel erwartet man bereits die Flugzeuge, hat einige Köderfeuer entfacht, um die Navigatoren abzulenken und um 22:31 die Flak alarmiert. Nur eine Minute später wird in Kiel Fliegeralarm gegeben.

Die Spitze der Angriffswelle sollte eigentlich bis nach Berlin fliegen, sie erreichen zunächst über die Kieler Bucht die Insel Fehmarn, eh sie die Lübecker Bucht ansteuern, um nach Südosten zu gelangen.  Doch aufgrund der geschlossenen Wolkendecke in einer Höhe von nur 300 bis 800 Metern entscheidet sich die Staffel zur Umkehr und sucht den Weg über Neumünster und Hamburg.

Eine weitere Staffel, bestehend aus 100 Flugzeugen, steuert zum Angriff das östliche und nördliche Kiel an. Vorangegangen ist die Pathfinder Force, eine Flugeinheit. die Leuchtbomben im Zielgebiet abgeworfen hat, um damit die Ziele sichtbar zu machen. Diese Leuchtbomben, in der Luft zu kleinen weitstreuenden Sternen aus rotem, grünen und weißen Sternen zerfallend, sind im Sprachgebrauch auch als „Tannenbäume“ oder „Christbaumkugeln“ gefürchtet.

Eine weitere Angriffswelle folgt von allen Himmelsrichtungen Kiels und wirft Brand- und Sprengbomben bis in die Probstei ab, zum Teil aber auch über Lübeck und Travemünde.

Bis oo:10 Uhr wird die Angriffswelle beendet und das Angriffsgebiet verlassen. Ganze acht Minuten später wird der Fliegeralarm aufgehoben, die Flaks bleiben aber bis 00:29 bereit. In Kiel sterben in dieser Nacht 26 Menschen. Dort, wo die Flaks stationiert sind, überfliegen lediglich 47 feindliche Flugzeuge die Verteidigungsstellungen. Am direkten Bombenangriff auf Kiel sind nur 18 Maschinen beteiligt, eine davon die Lancaster mit der Bezeichnung W 4310.

Sie führt 11 Brand- und Sprengbomben mit einem Gewicht von je 500 Kilogramm mit sich. Auch sie ist nun auf ihrem Rückweg. Um 23.05 Uhr beginnt auch ihr Rückflug. Ihr Pilot gilt als sehr zielorientiert und ehrgeizig, so befindet sich sein Flugzeug auch in sehr geringer Höhe. Sein Flugzeug wird von der Flak getroffen und fliegt noch etwa fünf Minuten in südwestliche Richtung, bis es über dem etwa 20 Kilometer entfernten Bordesholm in der Luft explodiert. Trümmerteile fallen in der Umgebung und direkt über dem Bordesholmer Friedhof nieder, einige der sieben Besatzungsmitglieder werden durch die Wucht aus dem Flugzeug geschleudert. Ein Besatzungsmitglied durchschlägt dabei das Dach des heutigen Bürgerhauses, welches damals als Marine-Lazarett fungiert, und landet auf einem Tisch.

Ein weiterer Kamerad wird in einem Graben liegend am Abzweig Wildhofstraße/Lindenplatz entdeckt, ein weiteres Besatzungsmitglied tot auf dem Friedhof. Ein weiteres Opfer durchschlägt das Dach eines Wohnhauses in der Eckmannstraße und landet in der Küche.

Die weiteren Besatzungsmitglieder sind nicht mehr zu identifizieren. Alle sieben englischen und australischen Kameraden haben ihre letzte Ruhe auf dem Garnisionsfriedhof in Kiel gefunden, ihr Grab ist mit einem der zahlreichen weißen Kreuze versehen.

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