Die Entdemokratisierung des Internets

© mare.photo
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In den Suchmaschinen dominieren zunehmend ein paar wenige Giganten die ersten Seiten. Für kleine Akteure, Anbieter, Meinungsbildende, Kritiker ist die Gefahr, nicht wahrgenommen zu werden, bedrohlich. Wir sollten tunlichst anfangen, dieses Phänomen nicht mehr zu verharmlosen. Denn es bedroht unsere Demokratie, die wir erst vermissen werden, wenn sie im Kern vernichtet ist.

Ein konkretes Beispiel beim Erstellen des Abfuhrkalenders führt mir diesen Trend einmal mehr vor Augen. Ich suche für das Anzeigenfoto nach kleinen dekorativen Mülltonnen. 

Auf der Startseite  erscheinen untereinander drei kostenpflichtige Anzeigen. Eine davon stammt von Amazon. Dann folgen die Suchergebnisse: Vier Mal untereinander erscheint Amazon als möglicher Lieferant. Dann folgt Ebay mit drei Einträgen, erst dann schafft es Bruder als Hersteller solcher Mülltonnen.

Führe ich die gleiche Suche mit dem Zusatz „Bordesholm“ durch, kommt es zum gleichen Ergebnis.

So geht es übrigens auch, wenn man kritische Stimmen zu Amazon und Co sucht. Denn solche großen Firmen belegen entsprechende Suchbegriffe und verhindern so fast erfolgreich, Kritiken im Internet zu entdecken.

Es geht also um die Macht der Platzierung und unsere Reaktion auf Dominanz. Je lauter, auch je öfter eine Firma oder Institution wahrgenommen wird, um so glaubwürdiger und unersetzlicher erscheint sie uns.

Sony ist eines der Beispiele in der Fotografie, wenn es um die Sinnhaftigkeit des elektronischen Suchers bei spiegellosen Kameras geht. Das Sony-Marketing hat es durch ständige Pressemeldungen geschafft, dass viele Konsumenten tatsächlich glauben, dass Sony der einzig innovative Hersteller von spiegellosen Kameras ist und dass Spiegelreflexkameras von der Technik her veraltet und unbrauchbar sind. (Optische Sucher sind aufwendiger zu fertigen). Das führt dazu, dass in entsprechenden Foren schon religiös fanatisch Andersdenkende belächelt und beleidigt werden. Die Folge: Erfolgreiche Hersteller wie Nikon oder Canon sind gezwungen, dieser Produktstrategie zu folgen. Dabei spielt der tatsächliche Nutzen und auch eine eventuelle Augenschädigung keine Rolle mehr.

In der Demokratie braucht es aber eine Gleichberechtigung von Stimmen, unabhängig von sozialem und finanziellen Stand. Jeder ist gleich stimmberechtigt und genauso wäre ein demokratisches Internet, eine demokratische Suchmaschine wichtig, in der jeder Hersteller, jeder Händler, nur eine Stimme, also einen Eintrag pro Suchbegriff hat.

Sind wir als Verbraucher machtlos? Nein, keineswegs. Eine Schneeflocke alleine wiegt rein gar nichts, hat aber in der Gemeinschaft mit anderen Schneeflocken durchaus schon Dächer zum Einsturz gebracht. Dabei wartet die eine Schneeflocke nicht auf die andere, vielmehr macht sie einfach ihr eigenes Ding. Und verbindet sich dann erst am Ziel mit ihren Weggefährten.

Wir müssen Giganten, die unser Denken, unser Handeln und unsere Existenz dominieren wollen, als das sehen was sie sind- als unseren Feind. Und dieser Feind nutzt unsere Naivität und Bequemlichkeit. Bordesholmer.Land möchte seinen Teil dazu beitragen, Akteure aus der Region gleichberechtigt sichtbar zu machen. So haben wir beispielsweise unter der Rubrik „Regional“ zu den Suchbegriffen alle Anbieter eingetragen und jedem die Möglichkeit gegeben, diesen Eintrag individuell hervorzuheben. Kein Anbieter wird unter einem Suchbegriff mehrfach erscheinen (nicht für Geld der Welt!), um die anderen zu dominieren.

Es liegt an uns, solche fairen Bedingungen dem aggressiven Verdrängungswettbewerb vorzuziehen und damit auch ein Stück weit unsere Freiheit und Vielfalt zu schützen. Der Anfang ist jedenfalls gemacht und wir laden herzlich ein, eine faire und demokratische Zukunft auch in diesem Bereich mitzugestalten.

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