Die Finnenhaussiedlung

Finnenhaussiedlung in der 1950er Jahren | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm
Finnenhaussiedlung in der 1950er Jahren | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm

Wie in Preetz, Flintbek und Einfeld gibt es auch in Bordesholm die Finnenhaussiedlung. Erkennbar ist sie als solche leider nicht mehr, aber so mancher würde sich diesen optisch reizvollen Siedlungscharakter zurück wünschen. Dabei sind die Häuser der Finnenhaussiedlung aus einer Not heraus entstanden und auch die Menschen, die sie aufstellten, waren alles andere als in einer glücklichen Situaton.

Es ist die Zeit während des verheerenden Zweiten Weltkrieges. Kiel als Marinestützpunkt und Werftenstandort ist besonderes Ziel der Alliierten. Zahlreiche Bombenangriffe sollen die Infrastruktur zerstören und dazu gehören auch die Häuser und Wohnungen der Werftarbeiter. Entsprechend bleibt im nahe Kiel kaum ein Stein auf dem anderen. Doch wohin mit den Obdachlos gewordenen, wohin mit den so wichtigen Arbeitern?

Die Idee ist schnell geboren: man bringt die Menschen in die benachbarten und mit der Eisenbahn noch gut erreichbaren Orte wie Preetz, Flintbek, Neumünster-Einfeld und eben auch in Bordesholm. Doch stehen hier keine leeren Wohnungen oder Häuser zur Verfügung.

Finnenhaussiedlung um 1954 | © Kulturverein Bordesholm

Finnenhaussiedlung um 1954 | © Archiv Kulturverein Bordesholm

Hilfe naht aus dem befreundeten und verbündeten Finnland.  Die Finnen benötigen dringend Munition. Die sollen sie gerne aus den Waffenschmieden Deutschlands bekommen. Im Gegenzug dafür liefern sie Fertighäuser aus Holz. Doch gibt es niemanden, der die Finnenhäuser aufstellen kann. Entweder sind die Männer als Soldaten im Krieg oder in der kriegswichtigen Industrie. Im benachbarten Wattenbek gibt es ein großes Arbeitslager. Etwa 500 Zwangsarbeiter sind hier untergebracht. Viele dieser Menschen werden in kurzer Zeit die Bausätze zu Häusern zusammenfügen. 

In der Regel verfügen sie über vier Zimmer. Die Werftarbeiter aus Kiel sind dankbar für die neue Bleibe, können sie doch etwas entspannter ohne die fortlaufenden Bombardements mit ihren Familien leben. Dabei nehmen sie gerne in Kauf, dass sie sich diese kleinen Häuschen mit ihren teilweise 8- bis 12-köpfigen Familien teilen müssen.

Heute, über 70 Jahre später, sind die Finnenhäuser äußerlich kaum wieder zu erkennen. Kontinuierlich sind die kleinen Wohngebäude modernisiert worden. Die einstigen Holzfassaden sind geputzten oder geklinkerten Verblendungen gewichen. Die Raumaufteilung ist großzügiger geworden und so mancher Wintergarten hat die Grundrisse vergrößert. Aus der einstigen Notsiedlung ist heute ein gewachsenes und beschauliches Wohngebiet mit kleinen gepflegten Gärten geworden.

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