Die Geschichte der A7 und des Bordesholmer Dreiecks

Autobahn A7 bei Loop | © mare.photo
Autobahn A7 Bordesholmer Dreieck bei Loop | © mare.photo

Die Autobahnen in Schleswig-Holstein sind in ihrer Geschichte noch recht jung. Auch das Bordesholmer Dreieck im Verlauf der A7 hat seine Entstehung einem internationalen Großereignis zu verdanken und zeigt einmal mehr das besondere Anliegen des Bordesholmer Landes: Nämlich zu verbinden.

Das Bordesholmer Dreieck im Bordesholmer Land

Die Autobahn A7 ist zugleich die wichtigste Verkehrsader nach Nordeuropa. Doch viele werden sich noch erinnern, wie die Landschaft zuvor aussah und welche Wege man auf sich nahm, um nach Dänemark oder Hamburg zu gelangen. 

Die Idee einer Nord-Süd-Verbindung geisterte bereits 1928 in den Köpfen. Doch in diesem Fall hat Hitler nicht die Autobahn gebaut, sondern durch seinen Fokus auf Krieg, Verfolgung und Willkür nicht realisieren können. Jedenfalls bereits 1963 war man sich nach einigen Jahren der Planung in der noch sehr jungen Nachkriegszeit zwischen Kopenhagen und der damaligen deutschen Hauptstadt Bonn einig, eine Nordsüd-Verbindung zu bauen. Bereits ein Jahr später kamen die dänische Wegebaudirektion mit der deutschen Straßenbauverwaltung über die Streckenführung überein.

Das Bordesholmer Dreieck und die Olympischen Spiele

Auslöser der neuen Autobahn A 7, die ja bereits als solche bis in den Süden Hamburgs reichte, war die erfolgreiche Bewerbung Kiels für die olympischen Segelwettbewerbe für das Jahr 1972. Man war sich darüber im Klaren, dass man die zahlreichen Anreisenden nicht in einer Expedition über die Dörfer Schleswig-Holsteins schicken konnte. Zugleich suchte man schon lange nach einer geeigneten Trasse nach Nordeuropa und Dänemark.

Die ersten Bagger rollten 1965 nahe Norderstedt an Bereits vier Jahre später, am 24.November 1969.  konnte das erste, 15 Kilometer lange, Teilstück zwischen den Abfahrten Großenaspe und Neumünster Nord in Betrieb genommen werden.

Alleine 15 Brücken waren auf diesem kurzen Stück erforderlich, um Eisenbahn und Straßenverkehr die Autobahn queren lassen zu können. Stolze drei Millionen Kubikmeter Erdreich wurden bewegt, um die Rampen für diese Brücken anzulegen. Zur Materialgewinnung entstanden acht Baggerseen mit Flächen zwischen 30 und 40 Hektar. Um die Autobahn in dieser flachen Region in die Landschaft zu integrieren, pflanzte man etwa 250.000 Büsche und Sträucher.

Das Bordesholmer Dreieck zwischen Neumünster und Flensburg

Endlich konnte Neumünster aufatmen, denn die bisherige Verbindung zwischen Flensburg und Hamburg verstopfte täglich diese geplagte Stadt. Doch noch gibt es keine durchgehende Elbverbindung in Hamburg an das A7 Fernnetz im Süden, genauso wenig geht es zügig weiter nach Kiel oder gar über Flensburg nach Dänemark. Allein Kiel ist die einzige Landeshauptstadt Deutschlands ohne Autobahnanbindung.

Zahlreiche Verhandlungen mit Grundstückseigentümern ziehen das Projekt in die Länge. Denn gerade Landbesitzern wird das Eigentum durch den Autobahnbau förmlich zerschnitten. Viele Existenzen stehen auf dem Spiel. So benötigt man 810 Hektar Land von etwa 2000 Grundstückseigentümern. In einigen Fällen kommt man um eine Enteignung nicht herum.

Neben dem Elbtunnel im Süden lag noch eine weitere echte Herausforderung im Norden: Die Querung des Nord-Ostsee-Kanals bei Borgstedt. Hier sollte die zu dieser Zeit mit 1450 Metern die längste Autobahnbrücke Deutschlands entstehen, die zudem über angelegte Rampen auf eine Höhe von 42 Metern gebracht werden musste, um einen ungehinderten Schiffsverkehr zu ermöglichen. 

Zeitgleich wurde nun an einer Anschlussautobahn nach Kiel gearbeitet. Die A 215 entstand und somit auch das Bordesholmer Dreieck. Die Fortführung des Autobahnnetzes nach Kiel und nach Flensburg bedeutete einen sprichwörtlichen Einschnitt in die Landschaft des Bordesholmer Landes und auf einmal befand sich die Gemeinde Loop als Teil des Amtes Bordesholm auf der westlichen Seite der Autobahn. Auch hier sorgt seitdem eine Brücke für die Anbindung.

Rechtzeitig zu den olympischen Segelwettbewerben in Kiel konnte am 04. August 1972 der Abschnitt zwischen Dätgen und Jagel sowie zwischen Dätgen und Kiel dem Verkehr übergeben werden. Damit war das Bordesholmer Dreieck geboren.

Was nun noch fehlte, war eine komplexe Anbindung über die Elbe in Hamburg und nach Dänemark. In Hamburg baute man bereits seit 1968 an dem damals längsten Unterwassertunnel Europas, der am 10. Januar 1975 seiner Bestimmung übergeben werden konnte.

Die A7 und das Bordesholmer Dreieck auf dem Weg nach Dänemark

Im Norden gruben sich die Bagger  nun ohne Rücksicht durch eine traumhafte und schützenswerte Landschaft, dem Treenetal und dem Meynautal. Auch der Handewitter Staatsforst wurde weitgehend zerstört. Aber Autobahn war hipp und so regte sich kein nennenswerter Widerstand mehr.

Doch noch trotzte mitten auf der Baustelle ein 18 Meter hohes und etwa 50 Tonnen schweres Exemplar, dessen man wohl nur mit einem Panzer der Bundeswehr begegnen konnte. Denn man brachte es bei allem Fortschritt nicht über das Herz, den 150 Jahre alten Lebensbaum zu fällen. So versetzte man ihn am 21. Mai 1974 etwa 40 Meter seitlich an den Rand des heutigen Rastplatzes Altholzkrug mit Hilfe eines Bergepanzers. Hier steht er noch heute.

Hatte man nun eine durchgehende Verbindung bis Tarp geschaffen, fehlte noch das Finale: die Anbindung an den gleichzeitig errichteten dänischen Autobahnabschnitt mit dem gemeinsamen Gebäudekomplex zur Grenzkontrolle. Der große Tag der Grenzverbindung der A7 wurde am 13. Juni 1978 großzügig gefeiert, zur offiziellen Einweihung trafen sich die dänische Königin Magarethe und der deutsche Bundespräsident Walter Scheel, um nach 15 Minuten den Verkehr rollen zu lassen. An diesem Tag endeten 12 Jahre und sieben Monate Bauzeit.

Das Bordesholmer Dreieck irgendwo zwischen Sizilien und Finnland

Heute ist die A7 die längste Autobahn der Bundesrepublik Deutschland und damit Teilstück de Europastraße E45. Diese verbindet als solche das süditalienische Sizilien mit Nordfinnland.

Übrigens folgt die A7 in Dänemark und Schleswig-Holstein dem historischen Ochsenweg, der bereits in der Bronzezeit als Handelsweg genutzt wurde. 

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