Die Geschichte des Bürgerhauses in Bordesholm

Bürgerhaus in Bordesholm | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm
Bürgerhaus in Bordesholm | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm

In Alt Bordesholm liegt in der Wildhofstraße ein wenig unscheinbar das Bürgerhaus. Zwei Etagen mit Dachgeschoss hat es, doch weder Aufzug noch Fahrstuhl führen nach oben. Grund genug, diesem einzigartigen Gebäude im Bordesholmer Land auf den Zahn zu fühlen.

Die Geschichte des Bürgerhauses in Bordesholm geht auf das Jahr 1927 zurück. In diesem Jahr entsteht an dieser Stelle die neue Produktionsstätte der Fa. H.H. Nölke. Die im Jahr 1883 in Bordesholm gegründete Buchdruckerei braucht Platz und so verkauft sie ihr bisheriges Areal an die Innere Mission in Rickling, als sie auf das neue Areal umzieht. Auffallend groß ist das Druckhaus mit seinem langgestreckten Grundriss und seinem quer angesetzten Gebäude.

Im Dachgeschoss findet der Hausmeister mit seiner Familie eine recht großzügige Wohnung, im Quergebäude sind verschiedene Abteilungen der Druckerei und Buchbinderei untergebracht. Auf dem von einer schmalen Mauer umgebenen Areal befinden sich auch einige Wohnhäuser.

Das Haupthaus wird durch die umlaufenden Fenster großzügig mit Tageslicht versorgt, für das An- und Abliefern ist auch der Rückseite eine lange Laderampe angesetzt.  Das Gebäude gehört bei seiner Entstehung sicherlich zu den modernsten und innovativsten Druckereien mit einem Maschinenpark, von dem andere Verlage sicherlich nur träumen konnten. Aber wie nun kommt man ohne Fahrstuhl und ohne jegliche Treppe in die oberen Etagen?

ursprünglicher Zustand des Bürgerhauses in Bordesholm | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm

ursprünglicher Zustand des Bürgerhauses in Bordesholm | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm

Eigentlich ein architektonischer Clou, von dem man sich heute eine Scheibe abschneiden könnte: Statt Treppen hat man im Inneren des Gebäudes schräge Rampen eingebaut, barrierefrei sozusagen. So sollte man heute mal Alten- und Pflegeheime bauen. Klar sind die Wege über solche schrägen Rampen etwas länger, aber die schweren Maschinen, die Druckplatten und -formen und vor allem das schwere Papier können in der Produktionszeit hervorragend bewegt werden.

So ist es möglich, auch in der oberen Etage die schweren Erzeugnisse für den Weitertransport zu stapeln und zu den Speditonsfahrzeugen nach unten zu transportieren.

Denn das, was hier in Serie geht, hat durchaus Gewicht- physikalisch wie inhaltlich: Bis 1932 entsteht hier das amtliche Kreisblatt und 1930 das  Gesangbuch der evangelischen Landeskirche Schleswig-Holstein und sogar das Neue Testament in plattdeutscher Sprache. Neben der Druckerei arbeiten die zeitweise 70 Beschäftigten auch für den hauseigenen Verlag, der zahlreiche Werke veröffentlicht.

Doch in den Zeiten des Dritten Reiches sind die Tage der Bordesholmer Großbuchbinderei und Druckerei gezählt. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 schließt das Unternehmen seine Tore. Der Inhaber Hans Hinrich Nölke ist mittlerweile 80 Jahre alt. Die Maschinen werden demontiert, der Verlag selbst zieht nun nach Hamburg. Die Marine bereitet sich auf das vor, was nun kommt und richtet in der nun ehemaligen Druckerei noch im gleichen Jahr ein chirurgisches Lazarett ein,  vor allem durch Giftgas verletzte Soldaten sollen hier behandelt werden können. Dafür bekommt die Abwassereinrichtung des Gebäudes eine spezielle Filteranlage. Neben diesem Lazarett hat die Marine in verschiedenen Bereichen Bordesholms weitere Behandlungseinrichtungen. Auch die Kieler Augenklinik gründet in einem weiteren Bereich eine Außenstelle.

Im Jahr 1945 ist der Krieg vorbei, doch das nahe Kiel als Marinestandort ist weitgehend zerstört. Das betrifft auch die Kieler Augenklinik. So wird ab dem  15. November 1945 aus dem Marinelazarett ein Hilfskrankenhaus für Kiel. Auch die Kieler Augenklinik wird nun neben ihren weiteren Einrichtungen in den Räumen des Klosterstifts und Amtsgerichts Bordesholm. Im Anschluss werden großzügig Gebäudeteile abgetragen.

Ab 1950 kommen die Schulkinder in das Gebäude und werden in den nächsten Jahren hier ihre Mittelschule absolvieren, nach 1959 wird der Unterricht aber in den Räumen der Hans-Brüggemann-Schule stattfinden.

Den Leerstand des Gebäudes nutzt ab den 1960er Jahren die Firma Möbel Rathje als Verkaufs- und Lagerräume, ihm folgt Möbelhof Müller. Doch diese Nutzung währt kaum mehr als 10 Jahre, nach einem vorübergehenden Leerstand geht das heutige Bürgerhaus in Bordesholm in den Besitz der Bordesholmer Sparkasse über. Die Verantwortlichen sehen eine Chance, sich mit dieser Immobilie gemeinnützig zu engagieren und gewinnen zunächst die evangelische Kirche als Nutzungspartner. Ein Treffpunkt für Vereine, kirchliche Gruppen und privaten Feierlichkeiten entsteht.

Zum 31. Dezember 1983 steigt die Kirche aus der Vereinbarung aus und es gelingt im darauf folgenden Jahr, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude der eigens gegründeten Stiftung Bürgerhaus am Wildhof zuzuführen. Seitdem wird es durch diese Stiftung unterhalten und steht Kindergruppen und Vereinen zur Verfügung.

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