Ein Luftschiff macht Halt in Bordesholm

Zeppelin Parseval in Bordesholm | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm
Zeppelin Parseval in Bordesholm | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm

Wir schreiben das Jahr 1910, die Fliegerei steckt noch in ihren Anfängen. Navigation orientiert sich nach Karten und prägnanten Gebäuden, Flüssen oder Leuchttürmen. So ist an Fliegerei bei Nebel und in der Nacht gar nicht zu denken. Wer also zu spät am Nachmittag  los fliegt, muss auch mal auf einem Acker zwischen übernachten, so, wie Ende Oktober 1910 auf Haman´s Wiese in Bordesholm. Wir erzählen die Geschichte der Notlandung des Luftschiffes in Bordesholm.

Eigentlich sollte der Flug mit der Paseval VI direkt von Berlin nach Kiel gehen, die Kieler Bevölkerung konnte diesen legendären Besuch des 70 Meter langen Luftschiffes kaum erwarten. So brach es mit einer Höchstsgeschwindigkeit von 56 km/h auf nach Nordwest. Doch irgendwie war das zu damaliger Zeit ganz schön schwierig, sich zu orientieren. Die Luftfahrt steckte noch in den Kinderschuhen und außer Karte, Kompass und Sechstanten gab es nichts. Man flog auf Sicht. (Ein Jahr zuvor gab es mit einem Flugzeug die erste Ärmellandüberquerung)

Ohne Radar, ohne Funk. Kein Wunder also, dass sich der Führer des Luftschiffes, Oberleutnant Stelling, ein wenig verflog. So ganz falsch lag er aber gar nicht, doch als er so gar nicht weiter wusste, landete er auf einem Jugendspielplatz im südlichen Neumünster. aber wie von Neumünster nach Kiel kommen, ohne sich wieder zu verfliegen? Kurzerhand fand sich der Mittelschullehrer W.Stuhr, welcher nun mitfliegen und nach Kiel navigieren durfte.

Aber an jenem Tag, dem 30.Oktober kam man viel zu spät los, Ende Oktober wird es bekanntermaßen schon früh dunkel. Man flog nach Kiel und merkte, dass man es bis zum Landeplatz nicht mehr schaffen würde. Eine Landung in der Dunkelheit war viel zu gefährlich. Da half es nur noch, umzukehren und sich einen landefähigen Platz auf dem Land zu suchen, der in der Dämmerung gefahrlos genutzt werden konnte. Die Wahl fiel auf eine Koppel in Bordesholm, auf Haman´s Wiese. ir wurde auch übernachtet.

Am Abend fand man Einzug in ein Bordesholmer Gasthaus und auch am folgenden Tag wurde sich in  Bordesholm gestärkt, eh man dann erfolgreich bis Kiel flog und dort am 31.Oktober 1910 sehnsüchtig erwartet wurde.

Zeppeline oder Pasevals – Die Unterschiede

Flugzeuge sind eine der jüngeren Entwicklungen unserer Mobilitäsgeschichte. Die Fliegerei hat ihren Ursprung in der Ballonfahrt. Schon früh erkannte man, dass heiße Luft leichter ist als kalte und es es auch Gase gibt, für die das Gleiche gilt. Die Weiterentwicklung der Ballonfahrt führte zu den Luftschiffen, denn diese sind nichts anderes als riesige mit leichten Gasen befüllte Ballons mit einem Motorantrieb und einer geschlossenen Kanzel. 

Der Parseval

Pionier auf diesem Gebiet war August von Parseval (*05.Februar 1881, +1942 in Berlin). Gleich nach dem Besuch des Gymnasiums ging er zum Militär und widmete sich in der Zeit autodidaktisch dem Themar Aeronautik. In Augsburg traf er dann seinen späteren Partner Hans Bartsch von Sigsfeld und entwickelte mit ihm einen gefesselten Drachenballon.

Parseval in Augsburg am 13. Oktober 1909 | Bundesarchiv Bild 146-1995-023-08A, Augsburg, Luftschiff "Parseval".jpg

Parseval in Augsburg am 13. Oktober 1909 | Bundesarchiv Bild 146-1995-023-08A, Augsburg, Luftschiff „Parseval“.jpg

Solche Ballons fanden in der Nahaufklärung des Militärs Verwendung. Die beiden wollten aber mehr, denn ein gefesselter Ballon kann sich in die Höhe bewegen, aber keine Distanzen überwinden. Ein langes Seil hält das Gefährt immer an seinem bestimmten Ort gefesselt. So auch die Bezeichnung für Fesselballons. Heute werden diese u.a. zur Wetterbeobachtung eingesetzt oder zum Ausleuchten großer Flächen.

August von Parseval ließ sich im Jahr 1901 vom Militärdienst beurlauben, um sich nun ganz der Entwicklung eines beweglichen und steuerbaren Ballons zu widmen. Im gleichen Jahr wurde er Gründungsmitglied und erster Vorsitzender des Freiluftballonvereins in Augsburg.

Zur gleichen Zeit begann von Parseval mit seinem Partner von Sigsfeld mit dem Bau eines beweglichen und lenkbaren Luftschiffes, doch verunglückte von Sigsfeld ein Jahr später bei der Landung mit einem Freiluftballon tödlich. Von Parseval unterbrach die Arbeit und setzte sie erst im Jahr 1905 wieder fort. Bereits 1908 gründete er die Luftfahrzeuggesellschaft LFG und produzierte hier 22 Parseval-Luftschiffe.

Im Gegensatz zu den Zeppelinen hatten die sogenannten Prallluftschiffe und von Besatzungen abfällig bezeichneten Gummikühe kein Skelett. Sie waren somit ähnlich eines Ballons, der erst seine Form bekommt, wenn er mit Gas gefüllt wird. Sie waren je nach Bauart zwischen 40 und 157 Meter lang und hatten einen Durchmesser von bis zu 20 Meter. Für das erste Versuchsschiff mit seiner Länge von 48 Metern und einem Durchmesser von 4,80 Meter wurden bis zu 2800m2 Außenhaus benötigt.

Der Zeppelin

Inferno beim Landeanflug auf Lakehurst USA am | Fotograf: Sam Shere (1905–1982)

Alles, was wir als Luftschiff kennen, benennen wir auch als Zeppelin. Zeppeline sind sicherlich die aufregenderen Luftschiffe und vor allem ein spektakuläres Drama hat sich sprichwörtlich in unser geschichtliches Gedächtnis eingebrannt: Die Explosion des Zeppelin LZ 219 mit dem Namen Hindenburg.
Übrig geblieben ist etwas, was an bei einem Parseval nicht vorgefunden hätte: Das Metallskelett.  Es hält den Zeppelin immer in seiner Form, ob er nun mit Gas befüllt ist oder nicht. Dieses erste life kommentierte Flugunglück zeigt auf bittere Weise auch zugleich die Schwäche eines solchen Fluggerätes.

 

Zeppelin LZ 219 nach dem Unglück in Lakehurst | © Fotograf unbekannt

Zeppelin LZ 219 nach dem Unglück in Lakehurst | © Fotograf unbekannt

Als die Hindenburg verunglückte, verbrannten in einer Minute etwa 190.000 Kubikmeter Wasserstoff. Die Reste von 88.000Litern Diesel und etwa 40.000 Litern Schmieröl waren nach einer Stunde von den Flammen aufgezehrt. Von den 97 Insassen starben 35 Menschen sowie ein Mensch des Bodenpersonals.

So ein Zeppelin hatte beachtliche Ausmaße.  Gerade die Hindenburg LZ 219 mit ihrem gleichgroßen

„L.Z. 129“, das neue deutsche Luftschiff, im Bau auf der Werft der Luftschiffbau Zeppelin Gmbh Friedrichshafen. Das Stahlgerippe.

Schwesterschiff LZ 220 gehörte es zu den größten Luftfahrzeugen, die je gebaut wurden. Etwa gleich groß war die Titanik. Die Länge betrug 246,70 Meter, die Breite über alles 46,80 Meter und die Gesamthöhe 44,70 Meter. Die Propeller verfügten über einen Durchmesser von sechs Meter. Die Geschwindigkeit ist bei Luftschiffen immer abhängig von den Luftströmen, aber man kann einem solchen Luftschiff eine Geschwindigkeit von knapp über 100km/h zusprechen. (Zum Vergleich: der Airbus A 380 hat eine Länge von 70 Metern und ist fast 27 Meter hoch.)

Zwar endete in Deutschland die Ära der Luftschiffe mit dem Unglück der Hindenburg, doch sind heute drei Zeppeline junger Bauart aus der Zeppelinwerft in Friedrichshafen am Bodensee rund um den Globus im Einsatz.

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