Von Anfang an Gas gegeben – die Versorgungsbetriebe Bordesholm

Gaswerk in Bordesholm als Vorläufer der Versorgungsbetriebe Bordesholm in den Nachkriegsjahren | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm
Gaswerk in Bordesholm in den Nachkriegsjahren | © Archiv Heimatsammlung Bordesholm

Die Versorgungsbetriebe Bordesholm gehören heute so selbstverständlich zu unserer Energie-, Kommunikations-  und Wasserversorgung, wie man es von einem der modernsten Versorger erwarten kann. Doch beamen wir uns für einen Moment zurück an den Beginn des 20. Jahrhunderts, als man die Stube noch mit Holz und Kohle beheizt und das Wasser aus einem Brunnen holt.

Die Geschichte der Versorgungsbetriebe Bordesholm

Heute sind die Versorgungsbetriebe Bordesholm der Hauptversorger und Vorreiter in nachhaltiger Energiewirtschaft und Digitalisierung. Aber alles hat bekanntlich einen Anfang.

Es ist etwa um 1900, Bordesholm ist Sitz des Kreises Bordesholm und hat gerade einmal weniger als 600 Einwohner. Das Zentrum dieser Kreisstadt liegt etwa zwei Kilometer westlich des Bahnhofes, nördlich des Bordesholmer Sees. Das Bahnhofsgebäude selbst gibt es noch nicht und aus dem kleinen Bahngebäude will man einen Haltepunkt machen. Eiderstede ist selbständige Gemeinde. Eine Autobahn gibt es so wenig wie es überhaupt Autos gibt.

Kiesgruben in Reesdorf und Techelsdorf gehören zu den größeren Arbeitgebern, doch Landwirtschaft  mit zahlreichen Höfen und die Räucherkaten prägen das Bild Bordesholms.

Versorgungsbetriebe Bordesholm zunächst als Gaswerk

Der Bahnsteig aus Sand und Splitt ist seitlich mit dicken Holzbohlen befestigt, Pferdefuhrwerke sorgen für die unterschiedlichen Transporte.  Die Winter sind streng, aus dem Kaminen kommt der Rauch von verbranntem Holz und von Kohleöfen.

Die Eisenbahn hat Bordesholm von Anfang an verändert. In für diese Zeit verhältnismäßig kurzen Reisezeiten  nach Hamburg oder Kiel bewirken ein ganz neues, umtriebiges Lebensgefühl. Und Bordesholm will mit der Entwicklung Schritt halten. Die zentral gesteuerte Straßenbeleuchtung soll her. Dazu muss allerdings in Bordesholm Energie produziert werden. Nun denkt man weniger an elektrische als an gasbetriebene Lampen, natürlich auf modernstem Stand. 

Im Jahr 1909 geht nach kaum mehr als einjähriger Bauzeit in der Bahnhofstraße das Gaswerk in Betrieb. Haben die Züge zunächst das Baumaterial für das beeindruckende Ziegelgebäude mi nebenstehendem Gasometer herangebracht, liefern sie nun die Steinkohle an, welche man für den Betrieb benötigt. Bereits beim Aufbau des hochmodernen Industriegebäudes ist gelernte Maschinenbauer und Gasmeister Friedrich Voss von denBremer Carl Francke Werken dabei und wird nun verantwortlich die Anlage führen. Von nun an wird hier Steinkohle erhitzt und das dadurch entstehende Gas strömt in die Leuchtkörper der Laternen.

Die kommunale Übernahme der Versorgungsbetriebe Bordesholm

Im Jahr 1915  wird für die Gemeindevertreter ein langgehegter Wunsch wahr. Ihnen ist klar, dass es wenig Sinn macht, Leistung von privaten Trägern zu beziehen, die täglich verfügbar sein soll.  Denn günstiger und verlässlicher sei es, diese Leistungen dann selbst zu produzieren und den erwirtschafteten Teil nicht privaten Investoren, sondern der Allgemeinheit zugute kommen zu lassen. So wird man sich eben in jenem Jahr mit dem Betreiber einig, die Anlage als Gemeinde zu übernehmen und selbst zu betreiben. Zu diesem Zweck übernimmt man den Gasmeister Friedrich Voss gleich mit.

Bordesholm entwickelt sich und die Energieversorgung läuft in verlässlichen Bahnen. Die Züge bringen die Steinkohle her, die durch den Dampflok-Betrieb in großem Volumen verfügbar ist.

Zwangsarbeit im alten Gaswerk Bordesholm

Dann macht auch das Dritte Reich vor Bordesholm nicht Halt. Im benachbarten Wattenbek entsteht ein Gefangenenlager, das sogenannte Serbenlager. Von hier aus müssen die Inhaftierten in einigen Betrieben und eben auch in diesem Versorgungsbetrieb Bordesholm zwangsweise arbeiten. Immerhin sind viele Männer aus der Gemeinde  als Soldaten im Krieg. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medizin ist völlig unzureichend, unter diesen Bedingungen sorgen sie für den Transport der Kohle von den Eisenbahnwaggons hin zum Gaswerk. 

Auch der Gasmeister Friedrich Voss ist Teil des Systems, er ist, wie die meisten anderen, Mitglied der NSDAP. Die Quittung folgt nach Kriegsende 1945, er verliert seinen Posten. Im Jahr 1949 endet der Betrieb des Gaswerkes, dessen Gebäude unmittelbar angerissen werden.

Versorgungsbetriebe Bordesholm mit sparsamen Aussichten

Heute bauen die Versorgungsbetriebe Bordesholm wieder ein Energiewerk, einen modernen Batteriespeicher. Und noch immer sind die Versorgungsbetriebe Bordesholm verlässlicher und von Großkonzernen unabhängiger regionaler Anbieter von sparsamer und günstiger Energie.

Wie wohl würde man die Geschichte der Versorgungsbetriebe Bordesholm in 100 Jahren schreiben? Also ran an die Tasten, wir haben doch so zahlreiche Autoren im Bordesholmer Land.

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